Malen in der Natur einmal anders

Ein mit Ölfarbe grundierte Bogenpapier inspiriert zu einer Fantasielandschaft
Ein mit Ölfarbe grundierte Bogenpapier inspiriert zu einer Fantasielandschaft

Heute Morgen habe ich Dorothy Wordsworth, das Alfoxden Journal gelesen. Neben sehr nüchternen Notizen über den Tagesablauf findet man immer wieder stichwortartige Landschaftsbeschreibungen, die gleichsam mit dem Wortpinsel skizzierte Landschaften in der Fantasie des Lesers entstehen lassen.

Inspiriert von dieser Lektüre mache ich mich auf den Weg ohne Idee zu einem bestimmten Motiv, aber mit einem grundierten Bogen Papier, den ich schon lange für die „richtige“ Gelegenheit aufbewahrt habe.

 

Es ist etwas schwül, obwohl das Thermometer nur 17° Celsius angezeigt hat. Vermutlich liegt das an der hohen Luftfeuchte, am Vorabend hatte es Gewitterregen gegeben.

Das Gras im Wald steht inzwischen schon meterhoch. Der Wald sieht fast schon sommerlich aus,wäre das Grün nicht noch hell und transparent. Bald wird, wenn alle Blätter ausgereift sind, die große, grüne Langeweile im Wald ausbrechen.

 

Auf dem Weg in den Wannenwald höre ich Zilpzalp, Drosseln, Buchfinken. Grasmücken, Kleiber und Tauben. Ich bin heute recht unentschlossen, schließlich lasse ich mich am Waldrand unter einer schönen Habitatbaumgruppe aus alten Buchen nieder.

 

Die farbige Grundierung will heute nicht so recht zum Wald passen. Ich drehe den Bogen um 180° und lasse mich zu einem freien Landschaftsentwurf inspirieren. Aus den abstrakten Formen versuche ich Felder und Bäume zu entziffern. Eines der gelb leuchtenden Rapsfelder, die derzeit blühen, kommt mir in den Sinn und wird eingefügt.

 

Während ich mich langsam ins Bild taste höre ich schnippende Geräusche im Gebüsch. Nach einiger Zeit zeigt sich des Rätsels Lösung. Der Jagdpächter knipst sich die Schussbahn entlang des Waldrandes frei.